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Rundbrief Nr.1

Autor: MarenVoigt | Datum: 26 November 2014, 07:23 | 0 Kommentare

Liebe Unterstützer, liebe Familie, liebe Freunde, liebe Interessierte,

 auch wenn ich es noch nicht so ganz glauben kann, sind die ersten drei Monate meines entwicklungspolitischen Freiwilligendienst schon fast vorbei. Aber immer öfter habe ich das Gefühl schon seit einer halben Ewigkeit hier zu sein.
Aber bevor ich zu meinem Leben in Kpalimé und der Arbeit am Collège Protestant und im Kindergarten komme, möchte ich erst einmal von meiner Anfangszeit in Ghana berichten.

 Zusammen mit meinen drei Mitfreiwilligen der Norddeutschen Mission bin ich am 23. August in Accra, der Hauptstadt Ghanas, gelandet.
Von da aus ging es noch am selben Abend in die Stadt Ho, die nahe der togoischen Grenze in der Volter-Region liegt. Dort habe ich die ersten drei Wochen verbracht und hatte einen Ewe-Sprachkurs bei einem Mitarbeiter der EPC (Evangelical Presbyterian Church) Ghana.
 Außerdem hatten wir die Gelegenheit ein paar Veranstaltungen der "General Assembley" der EEPT (Evangelisch Presbyterianische Kirche Togo) und der EP Church mitzuerleben und haben dort auch schon unseren Mentor kennengelernt.
Besonders positiv ist mir aus der Zeit in Ghana zudem ein Jugendcamp in Erinnerung geblieben, das in dem Dorf Toh-Kpalimé stattgefunden hat. Dort kamen Jugendliche aus Gemeinden der Region zusammen, um über ihre Grundsätze zu diskutieren, einen Aufklärungsvortrag von einem Krankenhausmitarbeiter zu hören, zu beten und gemeinsam Sport zu machen. Außerdem haben wir gesungen und getanzt zu Live-Musik von einer Band mit Schlagzeug, Piano, Trompeten und Bass und sonntags gab es einen großen Abschlussgottesdienst.

 Von Ho ging es dann am 12. September für Hannah, meine Mitfreiwillige und WG-Partnerin, und mich nach Lomé, in die Hauptstadt Togos. Dort hat uns ein Wochenende lang ein Mitarbeiter des "Bloc Synodal",dem Sitz der Kirchenleitung der EEPT, sich um uns gekümmert und uns das Einleben leicht gemacht. So haben wir die beiden Collèges Protestant von Lomé, die Radio Station Ephata und einen Chor kennen gelernt.
 Am 15. September kamen wir dann endlich am lang ersehnten Ziel an. Seitdem wohnen Hannah und ich in einer Wohnung auf dem Campus vom Collège Protestant Agome Kpalimé, der nicht nur ein Jahr lang mein zu Hause, sondern gleichzeitig auch einer meiner beiden Arbeitsplätze ist.

Im Collège Protestant

 Noch bevor die Ferien zu Ende waren, gab es schon eine Lehrerkonferenz und so konnte ich auch schon mal ein paar der KollegInnen kennenlernen.
Themen waren u.a. das pädagogische Konzept, der Wechsel vom Mädchen- zum Jungeninternat und Hygienemaßnahmen.
 Von den 740 SchülerInnen des Collèges wohnen etwa 30 Schüler im Internat, das sich gleich gegenüber unserer Wohnung befindet.
Die Schule umfasst neun Jahrgangsstufen. Die letzten drei Schuljahre (Seconde, Première und Terminal) bilden das Lycée.
 Von Montag bis Mittwoch begleite ich zwei Deutschlehrer in diesen Stufen, da Deutsch als neueinsetzende Fremdsprache ab der Oberstufe unterrichtet wird.
Nach einer anfänglichen Beobachtungsphase, in der ich mich mit dem Unterricht der beiden Kollegen vertraut gemacht habe, darf ich nun Teile des Unterrichts übernehmen und stehe ansonsten den SchülerInnen, während der Arbeitsphasen als zusätzliche Ansprechperson zur Verfügung.
 Inzwischen habe ich auch schon die ersten Klassenarbeiten korrigiert. Von schlechten bis sehr guten Noten war alles dabei.
Dienstag- und Mittwochnachmittag biete ich daher zusätzliche Stunden an, in denen ich mit allen SchülerInnen, die kommen möchten, noch offengebliebene Fragen beantworte. Ganz erstaunt war ich, als mich zwei Schülerinnen nach fast drei Stunden Grammatiklernen, darum baten ihnen eine Hausaufgabe zugeben.
Davor musste ich mich allerdings selber noch einmal intensiv mit der deutschen Grammatik auseinandersetzen, denn ich habe festgestellt, dass ich zwar meistens weiß, was richtig ist, dass das aber nur weiterhilft, wenn ich auch weiß warum. Da haben die Deutschlehrer natürlich einen entscheidenden Vorteil.
 Dank verschiedenster Deutschbücher und dem Unterricht der Kollegen, klappt das Erklären inzwischen ganz gut und auch an Französisch als Unterrichtssprache, habe ich mich schnell gewöhnt.
 In den wenigen Freistunden, in denen in keiner Klasse Deutsch unterrichtet wird, habe ich zudem die Möglichkeit, wenn es nicht gerade eine Arbeit zu korrigieren gibt, auch andere Fächer zu besuchen. So kann ich mein Französischvokabular ein wenig erweitern und auch den Unterricht in den unteren Stufen und Fächern kennenlernen.

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Klassenraum der Seconde A4II


Im JEEA Temple

 Donnerstags und freitags gehe ich mit der aufgehenden Sonne zum morgendlichen Gottesdienst und der anschließenden Chorprobe meines Chores "Bibliahabobo"
Pünktlich um Viertel vor sieben geht's dann zum Kindergarten, der direkt neben der Kirche ist.
 Im Gegensatz zum Unterricht in der Schule, der auf Französisch gegeben wird, wird im Kindergarten fast nur Ewe gesprochen. Die Kinder fangen gerade an spielerisch Französisch zu lernen. Das hat den Nachteil, dass ich mich nicht viel mit ihnen unterhalten kann und den Vorteil, dass ich, weil ich mehr Ewe höre, auch mit jedem Tag dort mehr verstehe und sagen kann. Und ich habe festgestellt, dass sie mich meistens sehr gut durch meine Gestik, Mimik und Körpersprache verstehen.
Die 60 Kinder die den Kindergarten besuchen, haben drei verschiedene Gruppen. Jeder Gruppenraum hat in der Mitte Tische und Hocker. An einer Wand gibt es eine Tafel, da es neben viel Spiel und Spaß, auch kleine Unterrichtseinheiten gibt. Entlang der anderen drei Wände gibt es verschiedene Spielecken: die Küchenecke, den Kaufmannsladen, die Puppenecke, das Krankenhaus, den Friseur und die Bibliothek.
Vor den Gruppenräumen gibt es einen großen Hof mit einigen schattenspendenden Bäumen, zwei Wippen, drei Rutschen und an die 10 Schaukeln.
 Um 8h gibt es dort einen gemeinsamen Anfang mit Sport, Bewegungsspielen und Singen. Danach geht es in die Altersgruppen. Im Moment bin ich dann in der SE2, bei den Ältesten. Im Halbkreis um die Tafel lernen die Kinder dann z.B. die Farben auf Ewe und Französisch, das Unterscheiden verschiedener Mengen, graphische Darstellung wie das Zeichnen von Formen. Danach wird auf kleinen Tafeln am Tisch gemalt und gezeichnet. Außerdem lernen die Kinder spielerlisch durch Bilder und Vergleiche, die Buchstaben zu schreiben. Bevor das "o" geschrieben wird, stellen sie sich z.B. vor Soße zu rühren und malen erst einmal viele Kreise übereinander, bis schließlich ein einzelner Kreis, der Buchstabe, entsteht.

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Blick aus meiner Kindergartengruppe auf einen
Sportparcours im Hof

Zeit für individuelles Spielen in den Spielecken oder draußen, gibt es nach dem gemeinsamen Essen. Und anschließend gibt es einen Abschluss mit allen Kindern mit Stuhlkreisspielen und Liedern.
 Nach einer Mittagspause, in der alle nach Hause gehen, geht es donnerstags weiter mit Malen und Zeichnen mit verschiedensten Techniken in den Altersgruppen und abschließend wieder ganz viel Zeit zum freien Spielen. Dabei werden Schaukeln, Rutschen, Wippen und Fangenspielen natürlich nie langweilig.
Freitags steht statt einer Mittagspause und anschließendem Malen, Putzen, Spülen und Waschen an.
 Danach setzen sich die drei Gruppenleiterinnen, die fünf Auszubildenden und ich uns zusammen um das Programm für die nächste Woche im Detail zu planen.

Im Gottesdienst

 Sonntags gibt es um 7 Uhr einen Gottesdienst auf Französisch. Den habe ich allerdings erst einmal besucht. Lieber gehe ich in den Gottesdienst auf Ewe, nicht weil ich dann länger schlafen kann, sondern weil dort mein Chor singt.
Und mit 9 Uhr ist in diesem Fall gemeint, dass man manchmal auch wenn man um zehn vor neun da ist, schon zu spät kommt.
 Bibliahabobo ist einer von neun Chören in der Gemeinde, durch deren Lieder ich den Gottesdienst als sehr kurzweilig empfinde. Das heißt aber nicht, dass jeden Sonntag jeder Chor singt.
 Auch wenn ich nur einzelne Worte verstehe, kann ich die Lieder aus dem Gesangbuch problemlos mitsingen.
 Jeden Sonntag gibt es ein Motto unter dem der Gottesdienst steht. Das wird vorne auf ganz groß auf einer gelben Tafel angeschrieben. Vor der Predigt werden drei Bibeltexte gelesen, die dazu passen: einer aus dem Alten Testament und zwei aus dem neuen Testament, von denen jeweils einer aus einem der Evangelien ist. Während der Predigt ist immer eine der Frauen im Chor so nett für mich auf Französisch zu übersetzen, sodass ich verstehe worum es geht.

Fête de la naissance

 Am 12.Oktober durfte ich einen Festgottesdienst miterleben. Einmal im Jahr wird das Fest der Geburt (La Fête de la naissance) gefeiert. Es wird sozusagen, der Geburtstag von allen Gemeindemitgliedern zusammen gefeiert.
 Höhepunkt ist dabei ein großer Spendenlauf. Es gibt sieben Kollektenschalen, auf denen je ein Wochentag steht. Die Kollekte gibt man dann zusammen mit denen, die am gleichen Wochentag geboren wurden, ab. Bei mir ist das der Freitag. Schließlich bekommt man in der Wochentagsgruppe noch einen Segen. Danach wird gespannt zugehört, welcher Wochentag wohl am meisten Geld zusammenbekommen hat.

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Eine der Kirchen der EEPT in Kpalimé

Im Chor

 Sonntagnachmittags gehe ich dann ein weiteres Mal zur Kirche für die Chorprobe von Bibliahabobo, bei der wir neue Lieder lernen oder uns überlegen was für eine Choreographie zu welchem Lied passt. Aber Bibliahabobo ist nicht nur ein Chor, sondern versteht sich als Assoziation. Gemeinsames beten und Bibelarbeit gehört auch dazu. Außerdem besuchen wir Chor und Gemeindemitglieder, denen es im Moment nicht so gut geht, weil sie einen Angehörigen verloren haben oder krank sind.
 Letzten Sonntag haben wir z.B. eine Frau aus unserem Chor im Krankenhaus besucht, die am Bein operiert werden musste und haben mit ihr gesungen und gebetet. Es war schön zu sehen, wie sehr sie sich über den Besuch gefreut hat.
 Zudem proben wir im Moment mit den Bibliahabobo-Chören aus zwei anderen Gemeinden Kpalimés für einen gemeinsamen Auftritt bei einer großen Weihnachtsfeier am 21. Dezember.
 Dabei habe ich mich sehr gefreut, als ich die eine oder andere Melodie der Weihnachtslieder wiedererkannt habe, wie z.B. die von "Stille Nacht, heilige Nacht" und bin gespannt auf die kommende Adventszeit.
 Besonders vom Chor fühle ich mich herzlich aufgenommen. Die Chorleiterin hat mir sogar einen Willkommensgruß geschrieben und im Namen aller überreicht. Aber auch sonst habe ich das Gefühl immer mehr im Alltag anzukommen und hier zu Hause zu sein.

 Vielen Dank an dieser Stelle an alle Unterstützer, ohne die mir diese Erfahrungen nicht möglich wären. Ich wünsche euch und Ihnen alles gute für die kommenden Wochen_und jetzt schon eine gesegnete Adventszeit.

Herzliche Grüße,
Maren

 

Kreidefinger, Davi Afua und Schaukeln

Autor: MarenVoigt | Datum: 01 November 2014, 09:24 | 0 Kommentare

Hallo ihr Lieben,

es muss schon ein Weilchen her sein, dass ich mich das letzte Mal gemeldet habe, denn ich habe noch gar nicht erwähnt, dass ich schon seit drei Wochen neben dem Collège noch einen zweiten Arbeitsplatz habe. Montags bis mittwochs erkläre ich Vokabeln, schaue in Deutschhefte, korrigiere Klassenarbeiten, gebe Unterrichtseinheiten und beobachte die Lehrer um von ihnen zu lernen.
Donnerstags und freitags habe ich keine Kreidefinger, sondern bin „Davi Afua“ im Kindergarten „JEEA Temple“.
„Davi“ ist eine Anrede für eine junge Frau ohne Kinder, aber so werden alle Kindergärtnerinnen angesprochen, egal ob sie Mütter sind oder nicht, und „Afua“ ist der Name, den ich bekommen habe, weil ich an einem Freitag geboren wurde. Zu jedem Wochentag gibt es ein paar mögliche Namen.
Bis jetzt kann ich noch nicht sagen, was mir besser gefällt; Schule oder Kindergarten, aber vielleicht muss ich das ja gar nicht, denn beides ergänzt sich sehr gut. 
Im Gegensatz zum Collège ist im KiGa Ewe die Umgangssprache. Die Kinder fangen gerade an spielerisch Französisch zu lernen. Das hat den Nachteil, dass ich mich nicht viel mit ihnen unterhalten kann und den Vorteil, dass ich, weil ich mehr Ewe höre, auch mit jedem Tag dort mehr verstehe und sagen kann. Und ich habe festgestellt, dass sie mich meistens sehr gut durch meine Gestik, Mimik und Körpersprache verstehen.
Auf dem Programm, das jeden Freitagnachmittag genauestens geplant wird, steht vormittags: gemeinsamer Anfang mit Sport und Bewegungsspielen, gemeinsames Lernen und Malen in den Altersgruppen, Essen, individuelle Spiele und gemeinsames Ende mit Spielen und Liedern im großen Stuhlkreis mit allen Kindern.
Nach einer Mittagspause, in der alle nach Hause gehen, geht es nachmittags weiter mit Malen und Zeichnen in den Gruppen und danach gibt es ganz viel Zeit für individuelles Spielen. Dabei werden Schaukeln, Rutschen, Wippen und Fangenspielen natürlich nie langweilig.
 
Bis dahin liebe Grüße,
Maren