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Runbrief Nr.2

Autor: MarenVoigt | Datum: 23 Februar 2015, 19:59 | 0 Kommentare

Bonjour à tous,

und schon sind die nächsten drei Monate und damit fast ein halbes Jahr meines Freiwilligendienstes in Togo vorbei. Vieles, das am Anfang neu und ungewohnt war, gehört inzwischen längst zu meinem Alltag. Trotzdem habe ich in den letzten Monaten unheimlich viel erlebt und versuche euch an ein paar dieser Erlebnisse teilhaben zu lassen. In diesem Brief erfahrt ihr also ein wenig mehr von meiner Arbeit im Collège Protestant und im Kindergarten, der Weihnachtszeit, Neujahr in Lomé, meinen Choraktivitäten und was ich sonst noch so mache.

Aus meinem Schulalltag

Meine Arbeitswoche beginnt montags pünktlich um 6h45 mit einer Versammlung auf dem Schulhof des Collèges. Die SchülerInnen stehen dabei in ihren Klassen geordnet und hören als erstes ein Lied von einem der beiden Schulchöre. Danach hält der Schulpfarrer, der Direktor oder einer der Lehrer eine Andacht zu einem Bibeltext. Nach dem gemeinsamen Vaterunser, gibt es dann Informationen zu Veranstaltungen in der nächsten Woche oder am Wochenende. Zu diesen Veranstaltungen gehören nicht nur die Klassenarbeiten die jeden Montagnachmittag geschrieben werden, sondern auch nicht verpflichtende Angebote wie Fußball- und Volleyballturniere oder Gebetstreffen.

Letztere finden ebenfalls auf dem Schulhof statt und werden von der "Groupe musical" (Schulband mit Chor), dem Pfarrer und einigen Lehrern gestaltet. Sowohl das Treffen vor den Trimesterprüfungen als auch das Gebet zum Trimesterabschluss  waren sehr gut besucht. Von Schülern habe ich die Rückmeldung bekommen, dass sie sich durch die Treffen ermutigt fühlen, als was in den ersten Monaten des Schuljahres nicht gut lief, hinter sich zu lassen und mit neuer Motivation das zweite Trimester zu beginnen.
Nach dem gemeinsamen Wochenstart geht es dann für mich in den Deutschunterricht. Ich begleite nach wie vor zwei Lehrer.
Während den Grammatikeinheiten sind meine Aufgaben Vokabeln anschreiben, schauen ob die SchülerInnen richtig abschreiben und Fragen beantworten.
Auch die Korrektur von der Hausaufgaben oder der Klassenarbeit gehört zu den Aufgaben, die ich übernehme.
Inzwischen übernehme ich nicht nur die Stunden, in denen wir einen Text erarbeiten, sondern auch öfters die Stunden, wenn einer der beiden Deutschlehrer nicht da ist (weil er zum Beispiel auf einem Fortbildung oder einem Seminar ist), so kann es sein, dass ich schon mal an einem Tag sechs Unterrichtstunden à 50 Minuten gebe.
Deshallb verwende ich meine wenigen Freistunden immer öfter auch dafür meinen Unterricht vorzubereiten, bin aber auch hin und wieder noch im Französischunterricht und verbessere so nicht nur mein Französisch, sondern erfahre auch vieles Neues zum Beispiel über die Literaturepoche der Negritude und ihre Autoren und Werke.

Dienstagnachmittags findet man mich in einem der Klassenräume um jedem, der kommt, Nachhilfe zugeben oder bei den Hausaufgaben zuhelfen. Die meisten kommen für Deutsch. Hin und wieder werde ich aber auch nach Hilfe beim Englischlernen gebeten.
Diese Arbeit macht mir ziemlich viel Spaß, weil ich dabei wirklich gezielt auf die Fragen und Probleme der SchülerInnen eingehen und mit ihnen daran arbeiten kann. Zudem ist dieseine gute Möglichkeit sie ein bisschen besser kennenzulernen. Außerdem spüre ich wirklich ihre Dankbarkeit für dieses Angebot. Zum Beispiel wenn ich Kekse geschenkt bekomme oder gefragt werde, ob ich nicht noch an anderen Tagen da bin um zulernen.

Vor Kurzem haben Hannah und ich nun Mittwochnachmittag einen "Deutschclub" angefangen für alle, die sich für die deutsche Sprache und Kultur interessieren.
Wir haben die Hoffnung, dass wir bei der "Semaine Culturelle" (Kulturelle Woche) des Collèges im April mit den TeilnehmerInnen ein kleines Theaterstück aufführen können.
Bei der Diskussion über das Thema des Stücks hat sich die große Mehrheit für die Idee Frauenrechte ausgebrochen. Der Grund ist wohl zum einen, dass die beiden anderen großen Vorschläge "Umweltschutz" und "Toleranz" schon durch den "Umweltclub" und den "Toleranzclub" vertreten sein werden und zum anderen, dass der Mädchenanteil  bei unseren bisherigen Treffen bei etwa 90% lag. Ich bin gespannt, ob das so bleiben wird.
Die Wünsche der TeilnehmerInnen, was sie außer Theaterspielen gerne machen würden, sind: deutsche Lieder und Spiele lernen, Gedichte zu verstehen und auswendig lernen, Dialoge sprechen und Betreuung bei den Deutschhausaufgaben bekommen.  Bis jetzt macht es aber auf jeden Fall Spaß zu sehen, wie sie sich für Kreisspiele begeistern lassen und auch die Idee sich die neuen Wörter im Gedicht über ein Vokabelmemorie zu erschließen, kam gut an. Es gefällt mir wirklich gut, dass ich durch die übersichtlichere Gruppengröße ganz andere Möglichkeiten als im Vormittagsunterricht habe, andere Methoden verwenden und neue ausprobieren kann.

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Morgenadacht vor dem Unterricht

Im Kindergarten

Weil ich ja auch auf dem Collègegelände wohne, freue ich mich immer noch donnerstags und freitags ein bisschen rauszukommen, wenn ich in den Kindergarten gehe. Nicht, weil es mir in der Schule nicht gefällt, sondern weil ich die Abwechslung mag und mir die Kinder dort schon sehr ans Herz gewachsen sind.
Im Kindergarten hat mir die Vorweihnachtszeit besonders gut gefallen.
In den Wochen vor Weihnachten haben wir mehr gebastelt. So sind viele schöne Girlanden entstanden, mit denen wir die Räume dekoriert haben.
In der letzten Woche vor den Weihnachtsferien wurden im Collège die Trimesterabschlussprüfungen geschrieben. Für die SchülerInnen hieß das: eine Woche lang kein Unterricht, nur Prüfungen. Und für mich: keinen Unterricht, nur Kindergarten, weil ich nicht für die Aufsicht eingeteilt war.
In dieser Woche haben wir mit den Kindern jeden Tag das Krippenstück geübt, mit dem wir in den Wochen davor schon begonnen hatten. 
Aufgeführt wurde das Krippenspiel fast reibungslos am letzten Schultag bei einer Weihnachtsfeier mit den Eltern und Vertretern der Kirchenleitung. Nur der Engel hatte plötzlich Lampenfieber, sodass die Zweitbesetzung ranmusste. Danach haben wir jedes Kind mit einer Tüte Süßigkeiten in die Ferien entlassen.
Am nächsten Tag haben wir uns mit Erzieherinnen aus zwei weiteren Kindergärten Kpalimés getroffen und gemeinsam zwei Gründerinnen der Kindergärten in Togo besucht, die uns nach den Herausforderungen im Kindergarten gefragt haben und uns nochmal ans Herz gelegt haben, wie wichtig es ist, die Arbeit mit den Kindern mit Freude und Liebe zumachen. Kpalimé war die erste Stadt Togos in der Mitte der 80er ein Kindergarten eröffnet wurde. Von dortaus verbreitete sich das Konzept nach Burkina Faso und in den Benin.
Bevor dann auch für uns die Weihnachtsferien begannen, gings noch mal zum Kindergarten zum Spülen und Waschen und die Materialen in den drei Gruppenräummen mussten mit Zeitungen abgedeckt werden, damit sie nicht einstauben, denn von Anfang Dezember bis Anfang Januar war Harmattan. Das ist der Passatwind, der sich als kühler Nordwind bemerkbar macht und aus der Sahara kommt und deshalb viel Sandstaub mitbringt.

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Spiel im Kindergarten: Wer schafft es die Sportsachen am schnellsten anzuziehen?

Die Weihnachtszeit

Außerhalb des Kindergartens hat sich die Vorweihnachtszeit daran bemerkbar gemacht, dass es mehr Süßigkeiten als sonst und Weihnachtsdeko zu kaufen gab.
Im Deutschunterricht haben wir Weihnachtslieder beigebracht und auch eine der Klassenarbeiten befasste sich mit einem Text zum Thema Weihnachten.
Ein sehr schönes Vorweihnachtserlebnis hatte ich in der Poststelle in einer Warteschlange, wo ich mit einer älteren Dame, die sich aus ihrer Schulzeit daran erinnern konnte, "Stille Nacht" gesungen habe. So wurde das Warten kurzweilig.
"Za nyuie la" (Stille Nacht auf Ewe) habe ich dann auch am 21. Dezember mit meinem Chor Biblia habobo bei dem Konzert "Noel pour tous" (Weihnachten für alle) gesungen. Dadurch, dass auch die Biblia habobo-Chöre aus den anderen Gemeinden Kpalimés dabei waren, waren wir eine ganz schön große Gruppe.
Für den Auftritt habe ich von der Organisation Biblia habobo den Stoff für die Choruniform geschenkt bekommen. Worüber ich mich sehr gefreut hab.
Das Konzert dauerte insgesamt 4 1/2 Stunden, weil verschiedenste Gruppen der Gemeinde und auch Einzelkünstler ihren Beitrag geleistet haben, was den Abend sehr abwechlungsreich gemacht hat. Es gab nicht nur viele Chorauftritte, sondern auch Tanzchoreographien, Schauspiel, Blaßmusik und vieles mehr.
Am 24. Dezember war ich abends in der Kirche, wo die Kinder des Kindergottesdienstes ein Krippenspiel gezeigt und Gedichte aufgesagt haben. Ein großer Weihnachtsbaum und Lichterschlangen durften natürlich auch nicht fehlen.
Weihnachten selber haben Hannah und ich am 25. im Gottesdienst und danach bei einer Kollegin gefeiert, bei der wir zum Essen eingeladen waren.

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Geschmückter Kirchraum in Afegame und Biblia habobo beim Konzert "Noel pour tous"

In Lomé

Das hier deutlich größere und wichtigere Fest, Silvester, wurde schon von da an immer wieder mit Raketen und Böllern angekündigt.
Ins neue Jahr habe ich in der Gemeinde Nyekonakpoe in Lomé gefeiert. Die Kirche war vollkommen überfüllt und die Atmosphäre sehr schön. Wir haben sehr viel gesungen und um Mitternacht lagen sich alle in den Armen.
Den Neujahrstag habe ich in der Familie einer Freundin verbracht, wo ich mich sehr wohlgefühlt habe. Wir haben viel geredet, gegessen, mit ihren Verwandten, die nicht in Togo wohnen, geskypt und waren am Strand.
Sehr spannende Erfahrungen in der Hauptstadt waren außerdem der Besuch einer Soziologie-Vorlesung an der Universität und der Besuch des Nationalen Instituts für wissenschaftliche Recherchen.   
Ich hatte eine sehr schöne Zeit in Lomé, die mir aber auch gezeigt hat, dass ich mich in Kpalimé zu Hause fühle. Und irgendwie tat es gut, wenn die VerkäuerInnen in Lomé  mich gefragt haben "Nètso Kpalimea?" (Kommst du aus Kpalimé?), weil sie es an meiner Art Ewe zusprechen, erkannt haben.
An ein weiteres Erlebnis, dass ich schon ganz vergessen (oder verdrängt) hatte, wurde ich zwei Wochen später von einer Kollegin erinnert, die uns mit den Worten "Ich hab euch gestern Abend im Fernsehen gesehen" begrüßt hat. Direkt nach unserer Ankunft in Lomé hatte nämlich ein Fernsehteam Hannah und mich nach unserer Meinung zu einem neuangebrachten Gemälde befragt.

Freizeitgestaltung

In der Zeit, in der ich nicht mit Unterricht im Collège Protestant und Kindergarten "Temple", mit den Chorproben oder mit Kochen, waschen, putzen, einkaufen beschäftigt bin, gebe ich gerne zusätzlich Nachhilfe. Viele der SchülerInnen, die nachmittags und abends in die Klassenräume zum Lernen kommen, sind auch gerne bereit mir beim Ewelernen zu helfen.
Die Frau von unserem Mentor nimmt uns auch gerne mit, wenn sie durch ihre Assosoziation "Jeunes Femmes", die ein Ähnlinches Konzept wie Biblia habobo hat, in andere Gemeinden reist und Gottesdienste besucht. Es ist immer wieder schön so ein bisschen rauszukommen und andere Städte bzw. Dörfer zumindest ein wenig kennenzulernen.
Ansonsten treffe ich mich gerne mit SchülerInnen und Freunden, die mir gerne Neues zeigen. Ob einen Markt in einem anderen Viertel, einen Besuch bei einer Töpferin, die Dörfer, die ein wenig außerhalb der Stadt liegen, Schmuck-Shoppen, Früchte, die ich noch nie gegessen hab, ein Gottesdienst für Taub-Stumme... Es wird nie langweilig.
In den Weihnachtsferien habe ich außerdem fast einen ganzen Tag im Friseursalon verbracht um mir meine Haare einflechten zu lassen. So kurz vor Weihnachten war da natürlich viel los, aber die Zeit und Geduld waren es wert.


Biblia habobo in Zomayi

Jedes Jahr zum Anfang das neuen Jahres treffen sich alle Frauen aus Kpalimé, die in der Organisation Biblia habobo sind in einer Gemeinde um dort für das vergangene Jahr zu danken. Deshalb waren wir vor ein paar Wochen in der Kirche von Zomayi. Das Kirchengebäude dort ist deutlich kleiner als das in Afegame, meiner Gemeinde, und so kam es, dass man in Zomayi ein Meer aus blauen Punkten sehen konnte, das fast die Hälfte des Raums ausgefüllt hat. Blaue Punkte deshalb, weil zur Choruniform an diesem Tag ein blaues Kopftuch gehörte.
So oft, wie sonst selten, konnte man an diesem Tag den Gruß "Yehowa ye nye kplola nye." (Der Herr ist mein Hirte) und die Antwort "Naneke mehiam o." (Mir wird nichts mangeln) hören, da dies das Grußwort von Biblia habobo ist.
Das Lied, das wir an diesem Sonntag gesungen haben, hatte der Chor schon vor längerer Zeit gelernt, aber zum Glück war eine der Frauen so nett es mir beizubringen, sodass ich auch mitsingen konnte.
Ich fühle mich also weiterhin sehr wohl im Chor und gehe gerne zu den Proben und den morgendlichen Bibelarbeiten.
 
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Biblia habobo in Zomayi

Ja, ich kann sagen, dass ich mit meinem Leben hier sehr glücklich und zufrieden bin. Vielen Dank für jede Art von Unterstützung, die ich durch euch erfahre.
Ich freue mich auf Rückmeldungen und Fragen
und sende ganz liebe Grüße aus Kpegolonou (dem Stadtteil von Kpalimé, in dem ich wohne),

Maren