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Rundbrief Nr.3

Autor: MarenVoigt | Datum: 18 Mai 2015, 16:32 | 0 Kommentare

Hallo ihr Lieben,

es fühlt sich so an, als hätte ich gerade erst den zweiten Rundbrief geschrieben und schon steht der Nächste an. Die letzten drei Monate in Kpalimé waren sehr erlebniss- und abwechslungsreich und sind deshalb wie im Flug vergangen.
In diesem Brief werde ich von der Kulturwoche in der Schule, von einem neuen Arbeitsbereich im Kindergarten, vom Gemeindeleben und meinen sonstigen Aktivitäten berichten.



ENIJE (ECOLE NORMAL DES INSTITUTRICES DES JARDINS D'ENFANTS)


Im Februar, gerade mit neuer Energie und Ideen vom Zwischenseminar in Ghana zurückgekehrt, hat sich für mich die vollkommen neue Möglichkeit eröffnet zusammen mit den fünf 1-Jahres-Praktinkantinnen des Kindergartens am Theorieunterricht teilzunehmen.
Der Unterricht findet im Ausbildungszentrum für ErzieherInnen ENIJE statt, das 1976 in den Räumlichkeiten der EEPT gegründet wurde und wird von zwei Ausbilderinnen und einem Ausbilder gegeben.
Es geht dort nicht nur um die Geschichte und die Bedeutung des Kindergartens, die Entwicklung der Vorstellung vom Kind in den Jahrhunderten, Entwicklungsstufen, usw.  Wir lernen auch verschiedenste Mal- und Basteltechniken und probieren diese zusammen aus.
Durch die Beispiele der AusbilderInnen aus dem Kindergartenalltag empfinde ich den Unterricht als leicht verständlich, kurzweilig und Theorie und Praxis lassen sich gut miteinander verknüpfen.
Um trotzdem weiterhin Zeit mit den Kindern zu haben, habe ich mich entschieden auch montags in den Kindergarten zu gehen. So bin ich nun montags und Donnerstag vormittags im Kindergarten und Donnerstag nachmittags und Freitags beim Theorieunterricht, zu dem übrigens nicht nur Praktikantinnen aus dem Kindergarten Temple sondern auch aus ganz Kpalimé und Agou kommen, sodass wir insgesammt fast 20 sind.
 

Semaine culturelle (Kulturelle Woche)

Nachdem die SchülerInnen des Collèges die Abschlussprüfungen für das zweite Trimester geschrieben hatten, fand in der Woche vor den Osterferien die Semaine culturelle statt.
Schon vor längerer Zeit hatten wir in der DeutschAG mit der Planung einer kleinen Szene begonnen um sie den anderen vorzuführen. Verschiedenste Vorschläge wurden gesammelt und die Mehrheit hatte für ein Stück zum Thema "Recht auf Bildung" gestimmt. Die Vorbereitungen dafür haben mir, dank der motivierten SchülerInnen, viel Spaß gemacht. Einige konnten schon direkt bei der zweiten Probe ihren Text auswendig.
Nach einer kurzen Einleitung in die Thematik auf Deutsch und Französisch, spielten die verkleideten SchülerInnen, die erst seit diesem Schuljahr Deutsch lernen, schließlich den vorbereiteten Sketch ohne Versprecher vor.
Auch die EnglischAG hatte einen Sketch vorbereitet. Damit war dann die Semaine culturelle offiziell eröffnet.
In den folgenden Tagen wurden die Schuluniformen gegen traditionelle Kleidung getauscht. An einem Tag war das Motto z.B. "königlich", sodass auf dem Schulhof vorallem SchülerInnen in royalen Gewändern zu sehen waren. Dort wurden klassenweise in Gruppen verschiedenste traditionelle Gerichte zubereitet. Da meine Klassen natürlich umbedingt wollten, dass ich bei ihnen esse und alles sehr lecker war, war ich am Ende des Tages sehr sehr satt. Außerdem gab es eine Pleniumsdiskussion mit SchülerInnen und LehrerInnen, Interviews, Musik und Tanz.



Semaine de la Jeunesse (Woche der Jugend)


Ende Februar fand in den Gemeinden der EEPT die Woche der Jugend statt.
Die Jugendgruppen der Gemeinde organisierten verschiedenste Aktivitäten. So zum Beispiel ein Fußballturnier, einen Straßenlauf, ein Gebetstreffen und ein Konzert zu dem auch verschiedenste Chöre der Gemeinde einen Beitrag geleistet haben. So haben wir auch mit einer kleinen Gruppe von Biblia habobo einige Lieder gesungen. Zwischen den einzelnen Beiträgen führten die Jugendlichen mehrere Sketche auf, die für einige Lacher sorgten. Abgeschlossen wurde die Woche mit einem festlichen Gottesdienst, der von den Jugendlichen mitgestaltet wurde.


Weltgebetstag der Frauen

Zum Weltgebetstag haben wir am Freitag, den 5.März um 5h morgens einen Gottesdienst gefeiert. Dieser wurde dieses Jahr von Frauen der Bahamas Inseln vorbereitet und hatte das Thema: "De miese nu si mewo na mí la gomea?" (Versteht ihr, was ich für euch getan habe?)
Die Liturgie wurde von einigen Frauen aus meinem Chor, Biblia habobo, und ein paar anderen Frauen aus der Gemeinde gelesen. Ein wenig überrascht war ich schon, als sie mir ein paar Tage vorher sagten, ich solle doch auch einen Teil lesen, denn der Gottesdienst war natürlich auf Ewe.
Das Lesen klappte aber, nachdem ich die richtige Intonation mehrmals geübt hatte, einwandfrei.
Dadurch, dass die Bibeltexte in verteilten Rollen gelesen wurde, einige Frauen einen Sketch passend zum Thema vorgespielt haben und viele Menschen an der Gestaltung beteiligt wurden, war der Gottesdienst sehr abwechslungsreich und lebendig.


Palmsonntag & Ostern


Am Sonntag vor Ostern war es nicht schwer zu erkennen, welches Fest gefeiert wurde. Die Kirche war mit Palmwedeln geschmückt und viele GottesdienstbesucherInnen hatten Blumen und Pflanzengrün mitgebracht. Diese wurden dann geschwenkt um die Kindergottesdienstkinder, die sonst parallel ihren eigenen Gottesdienst feiern, in der Kirche zu empfangen. Ebenfalls mit Palmenzweigen in der Hand sangen die Kinder einige Lieder, die die KindergottesdienstleiterInnen mit ihnen einstudiert hatten.
Den Ostergottesdienst fand ich besonders schön, weil die Lieder noch fröhlicher waren, als sie es sonst schon sind. Außerdem gab es mehrere Taufen und der große Chor hat in einer feierlichen Prozedur vier neue Mitglieder aufgenommen.
In den folgenden Tagen waren wir dann bei mehreren Freunden zum Essen eingeladen.


Meine Freizeitaktivitäten

Nach wie vor gehe ich gerne zu den Chorproben von Biblia habobo. Im Moment bereiten wir ein Konzert in einer anderen Gemeinde Kpalimés vor. Die Assoziation Biblia habobo feiert in Lomnava nämlich ihren 25. Geburtstag und hat die Frauen, der anderen Gemeinden eingeladen mit ihnen zu feiern. In unserer Gemeinde "Afegame" besteht die Gruppe schon seit 60 Jahren.

Da die Schulferien, um die Sicherheit während der Präsidentschaftswahlen zu gewährleisten, verlängert wurden, hatte ich im April viel Zeit für Aktivitäten, die über meinen gewohnten Arbeitsalltag hinaus gehen.
So habe ich die Gelegenheit genutzt Einblicke in die Arbeit einiger Assoziation in Lomé zu bekommen. Insgesamt vier Tage war ich in der Assoziation A.JE.D.I (Action des JEunes pour le Developpement Integral) und habe dort viel über Projektplanung- und Dokumentation gelernt.
Außerdem hatte ich die Chance bei der Recherche zu einer Masterarbeit über die Assoziationen, die in den letzten drei Jahren in Lomé gegründet wurden, zu assistieren.
Die Assoziationen intervenieren in den verschiedensten Bereichen: Bildung, Agrikultur, Microfinanzen, Dorfentwicklung, Unterstützung von benachteiligten Frauen und Kindern,...
Ich habe z.B. die ausgearbeiteten Fragebögen gegengelesen, die PräsidentInnen der durch Zufall ausgewählten Assoziatioen telefonisch kontaktiert, um um ihre Mitarbeit zu bitten, und durch die Antworten beim anschließenden Interviewgespräch viel gelernt. Welche Motivation steckt hinter der Gründung einer Assoziation? Welche Ziele verfolgen sie? Vor welche Herausforderungen werden die Mitarbeitenden gestellt? Welche Art von Unterstützung wünschen sich die PräsidentInnen der Assoziationen vom Staat? ...
Einige Projekte haben wir sogar direkt vor Ort besucht, sodass ich mir auch ein Bild von der Praxis machen konnte.
Eine weitere schöne Erfahrung in Lomé war es von einer Freundin zu ihrem Chor der Gemeinde in Tokoin-Centre mitgenommen zu werden. Da es ein Jugendchor ist, der auf Englisch und Französisch singt, war das eine willkommene Abwechslung zu meinen Chorerlebnissen mit Biblia habobo.

Im Kontrast zu diesen Erfahrungen in der Hauptstadt mit etwa 1 Millionen Einwohnern, stand mein dreitägiger Ausflug in zwei verschiedene Dörfer Danyis. Danyi ist eine Bergregion die etwa zwei Autostunden nördlich von Kpalimé liegt.
Da ich mit einem Freund unterwegs war, der von dort kommt, habe ich viele Einblicke in das Leben der Menschen dort bekommen. Ich habe mich überall sehr willkommen und herzlich aufgenommen gefühlt.
Wir waren im Kloster in Dzogbegan und wurden dort auch direkt zu einer Andacht eingeladen, die hauptsächlich aus Gesängen auf Französisch bestand und eine angenehme Erholung nach der langen Reise war.
In Elavanyo sind wir auf einen Berg gewandert und haben auf dem Rückweg Kuhhirten bei der Arbeit getroffen. Im Wald haben wir Pilze gesucht und auch gefunden, obwohl es in den Tag zuvor nicht geregnet hat.
In Kakpa durfte ich ein wenig bei der Feldarbeit helfen, aber besonders hat mir ein Abend mit den Kindern gefallen. Nach dem Abendessen trifft man sich um gemeinsam zu spielen. Zu den Spielen gehören zum Beispiel "Abzählspiele" oder die SpielleiterIn geht zu jedem Kind und lässt in die Hand eines Kindes einen kleinen Stein fallen und eineR muss erraten, wer das Steinchen hat.
Dann werden angeleitet von einem Erwachsenen Rätselfragen, die so genannten "Adzo" gestellt, als Einleitung zum Geschichten erzählen. Die Märchen, die anschließend erzählt werden, haben meist entweder eine Moral oder sind lustige Antworten auf Warum-Fragen, wie: Warum sehen wir die Sonne tagsüber und den Mond nachts? Warum baut die Spinne Netze? Warum ist die Banane krumm?


Auch in Kpalimé wird mir nicht langweilig. Wenn ich nicht gerade dabei bin, mein Ewe zu verbessern, mache ich lange Stadtspaziergänge und so sind mir die allermeisten Viertel nicht mehr nur leere Worthüllen, sondern ich kenne mich ganz gut in der Stadt aus. Ansonsten bin ich ab und zu bei SchülerInnen oder Frauen aus dem Chor und viel bei Freunden. Einen Tagesausflug mit dem Rad nach Kpime habe ich auch schon gemacht. Nach einer zwei stündigen Berg-und-Tal-Fahrt und einem eineinhalb stündigen Fußmarsch durch die Sonne, konnte ich dort im kühlen nass am Wasserfall baden.


Schulbeginn

Ich denke, es ist ein gutes Zeichen, dass ich mich gefreut habe, als nach den Ferien die Schule wieder losging.
Die Kinder aus dem Kindergarten haben mir schon gefehlt. Auch wenn die Arbeit dort körperlich und geistig anstrengend ist, tut mir die fröhliche unbeschwerte Art der Kleinen gut.
Am Montag nach den Ferien stand dann erst einmal eine große Aufräumaktion an. Der gesamte Schulhof war voller Blätter, die beseitigt werden mussten. Außerdem waren einige Wege dank der regelmäßigen Regenfälle der letzten Woche zugewachsen. Auch die Räume wurden endstaubt und die Spielecken wieder neuhergerichten.
In der Schule geht es für die meisten meiner Klassen jetzt in wenigen Wochen auf's BAC I (Abschlussprüfung der vorletzten Klassenstufe) bzw. BAC II (Abitur) zu und LehrerInnen und Freiwillige geben ihr Bestes sie optimal darauf vorzubereiten.

Auf die letzten drei Monate meines Jahres freue ich mich sehr und daran, dass mir nicht mehr viel Zeit hier bleibt, möchte ich noch gar nicht denken.
Ich bin allen, die mir diese Erfahrungen hier ermöglichen und denen, die mich auf welche Art auch immer unterstützen, unheimlich dankbar und wünsche allen für die Zeit bis zu meinem nächsten Rundbrief alles Gute.

Herzliche Grüße,
Maren