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Rundbrief Nr.4

Autor: MarenVoigt | Datum: 12 August 2015, 21:33 | 0 Kommentare

Hallo zusammen,

dieser ist der vierte und leider auch der letzte Rundbrief, in dem ich euch von meinem FSJ in Kpalimé berichte. Inzwischen haben die Schulferien im Collège und im Kindergarten begonnen und im Folgenden werde ich versuchen die letzten Arbeitswochen zusammenzufassen und ein wenig zu erzählen, wie ich meine freie Zeit verbracht habe.

 

Im Collège Protestant

Wegen der verlängerten Osterferien galt es einigen Stoff bis zu den Abschlussprüfungen aufzuholen. Deshalb habe ich zusätzlich zu meiner offenen Nachhilfe Dienstagnachmittag mit einer Seconde (1.Klasse der Oberstufe) samstags vormittags gearbeitet. Ihr Deutschlehrer hat in den übrigen Stunden die Grammatik erarbeitet, während ich mit den SchülerInnen die Texte im Buch gelesen und besprochen habe, damit der Wortschatz neben der vielen Grammatik nicht zu kurz kommt.
Zudem habe ich in den letzten Wochen auch einige Vertretungsstunden gegeben, weil leider einmal beide Deutschlehrer gleichzeitig nicht da waren.
Unterstützung bekamen die SchülerInnen von den Lehrern und Lehrerinnen nicht nur, was den Unterrichtsstoff betrifft, sondern auch was das spirituelle Wohlergehen angeht. Vor den Prüfungen wurde regelmäßig Gebetstreffen organisiert.
Mit dem Deutschclub haben wir Briefe der SchülerInnen unserer neuen Partnerschule in Bremen beantwortet und viel gesungen. Besonders begeistern konnten wir unsere SchülerInnen für Bewegungsspiele wie "Laurenzia" und "Story of my pony" und ich verstehe es als Lob für meine Arbeit, wenn mir SchülerInnen sagen, dass ich doch noch ein Jahr bleiben soll und dass sie mich vermissen werden. Der Abschied zum Schuljahresende fiel mir wirklich nicht leicht.


Im Kindergarten

Die letzten Wochen im Kindergarten waren geprägt von den Vorbereitungen für die Abschlussprüfungen der fünf Auszubildenden.Geprüft wurden die Gymnastik, eine Arbeitseinheit, die z.B. auf den Matheunterricht oder das Lesen und Schreiben vorbereitet und eine Arbeitseinheit, bei der die Erzieherin den Kindern ein Lied beibringt.
Für Letzteres habe ich Plakate gemalt, mit denen die Neugier der Kinder geweckt werden soll, bevor sie das Lied lernen.
Nachdem alle ihre Prüfung bestanden hatten, durfte ich auch einmal die Gymnastik übernehmen. Das  war natürlich eine ganz schöne Herausforderung, aber da der Ablauf immer gleich ist und die Kinder ihn kennen, haben sie sehr gut mitgemacht.
Diese Sporteinheit findet immer morgens als erstes statt, wenn es draußen noch kühl ist und beginnt im Klassenraum mit der Begrüßung. Die Kinder werden gefragt wie es ihnen geht und welcher Wochentag ist. Danach werden einige Bewegungslieder gesungen, bevor die Kinder der Reihe nach in den Hof gehen und auf einer Linie, um den aufgebauten Parcours zu laufen. Zum Aufwärmen wird mit den Armen geschlenkert, gehüpft, seitwärts gelaufen, usw. (Natürlich nicht ohne kleine Verschnaufpausen.)
Nach fünf Minuten ruft die Erzieherin die Kinder zu sich, um sie zu fragen, was sie im Hof sehen. "Reifen, Tische, Stühle, Matten, Bänke", rufen die Kinder. Ein Kind wird ausgewählt um zu zeigen, wie die einzelnen Stationen des Parcours zu bewältigen sind. Zehn Minuten lang krabbeln die Kinder dann zwischen Tischen über eine Matte, rutschen über Bänke, klettern über Tische auf Stühle und hüpfen über Stöcke. Danach werden die Kinder aufgefordert kreativ zu werden und sich selber auszusuchen wie sie die Station bewältigen wollen. Nach zehn weiteren Minuten helfen die Kinder die Materialien wegzuräumen und gehen dann leise und langsam in den abgedunkelten Klassenraum um sich für ein paar Minuten auf Matten liegend auszuruhen, während Musik gespielt wird.

Zum Ende des Schuljahres haben wir außerdem einen Ausflug zu einem Ausbildungszentrum gemacht. Mehrere Kindergärten Kpalimés haben sich in Autobussen auf den Weg in ein Dorf etwas außerhalb der Stadt gemacht. Nach dem Schmücken des Busses und einer kurzen Fahrt, während der wir alle Kindergartenlieder gesungen haben, die uns einfielen, gab es ein Picknick, das wir schon morgens früh vorbereitet hatten. Als alle satt waren ging es in das Ausbildungszentrum selber um die Arbeit in der Schneiderei, im Frisörsalon und in der Schreinerei zu besichtigen. Zum Abschluss haben wir in einer großen Runde mit den Kindern aus allen Kindergärten gesungen und getanzt.
Auch nachdem für die Kinder die Ferien schon begonnen hatten, sind wir noch in den Kindergarten gegangen um Basteltechniken zu lernen. So haben wir z.B. eine Modelliermasse aus Papier, Holzmehl, Wasser und Goma (einem Kleber, der aus einer Substanz der Yamswurzel gekocht wird) hergestellt.

Aus der Gemeinde

Wie ich schon in meinem letzten Rundbrief angedeutet habe, waren wir mit Biblia habobo in Lom Nava um das 25-jährige Bestehen der Assoziation in dieser Gemeinde zu feiern.
An einem Samstag wurde ein Konzert veranstaltet, bei dem verschiedenste Gruppen der Gemeinde aufgetreten sind, darunter das Blaßorchester, die Jugend, der große Chor, "Jeunes Femmes" und natürlich Biblia habobo selber. Am nächsten Tag wurde das Jubiläum dann noch mal ausgiebig im Gottesdienst gefeiert. Die Frauen aus Lom Nava hatten nicht nur einige Lieder einstudiert, sondern auch einen Sketch vorbereitet. Anschließend wurde zum gemeinsamen Mittagessen eingeladen. 

Im Juni wurde zudem das Fest der Frauen und im Juli das Fest der Männer in unserer Gemeinde gefeiert. Dafür hatten jeweils fast alle Frauen bzw. Männer der Gemeinde gemeinsam ein Lied einstudiert, das dann vorgesungen wurde. Die Jugendlichen hatten auch einen Sketch eingeübt und bei unserem Fest haben ein paar Frauen ein paar Gedichte vorgetragen, an die sie sich noch aus ihrer Grundschulzeit erinnern.

Vor kurzem gab es an einem Sonntagnachmittag ein kurzes Seminar zum Thema "Kommunikation über das Assoziationsleben" mit dem Ziel die Mitglieder der verschiedenen Assoziationen der Gemeinde aktiver und dynamischer zu machen.
Der dort besprochenen Definition nach ist eine Assoziation eine permanentbestehende Gruppe, deren Mitglieder ein gemeinsames nichtlukratives Ziel verfolgen. Außerdem ging es um die Prinzipien einer Assoziation, die Bedeutung von Beziehungen, Respekt, Toleranz, Verwaltung, Meinungsäußerung, Wertschätzung unserer Talente und vieles mehr.

Da ich am Anfang der Schulferien Besuch von einer Freundin aus Leverkusen hatte, mit der ich zwei sehr schöne Wochen in Kpalimé verbracht habe, war ich auch noch mal ein paar Tage in Lomé. Dort habe ich nicht nur die Gelegenheit genutzt ein paar Freunde wiederzusehen, aber auch noch einmal an einem Gottesdienst in der Gemeinde von Nyekonakpoe, wo ich auch ins neue Jahr gefeiert hatte, teilgenommen. Mit der Band ("Groupe musical") von Nyekonakpoe war ich dann nachmittags bei einem Auftritt in der Gemeinde von Agedzi in Lomé. Die Rede war von über zehn weiteren Bands aus den anderen Gemeinden der EEPT in Lomé, als wir ankamen mussten wir aber feststellt, dass sich von den anderen eingeladenen Gruppen keine einzige auf den Weg gemacht hatte. Die Enttäuschung dauerte aber nicht lange an, denn die Band und ein Chor der gastgebenden Gemeinde sorgten mehrere Stunden lang für ein abwechslungsreiches Programm und von den zahlreichen Konzerten, die ich bis jetzt besucht habe, war die Stimmung bei diesem mit Abstand am besten.

 
Ein weniger schönes Erlebnis war der unerwartete Tod eines Kollegen, der seit vielen Jahren als Mathelehrer am Collège gearbeitet hat. Der Trauergottesdienst mit anschließender Beerdigung fand in seiner Gemeinde in Zomayi statt, genauso wie ein Danksagungsgottesdienst am Sonntag danach. Diese waren sehr bewegend.


Jugendcampvorbereitungen

In meinem letzten Monat in Togo werde ich an der Begegnung von Jugendlichen der EP Church Ghana, der EEPT und der Mitgliedskirchen der NM teilnehmen. Thema sind Umweltschutz und Klimagerechtigkeit.
Im Laufe der letzten Wochen haben Hannah und ich den Jugendpastor der EEPT auf zwei  Vorbereitungsreisen für das Camp begleitet. So ging es zuerst nach Notse, um dort mit den Verantwortlichen vor Ort zu sprechen, mit denen wir uns dann auf den Weg nach Kativou, ein Dorf nahe der Grenze zum Benin, gemacht haben, wo zeitgleich zu unserem Camp, ein Jugendcamp einer Schweizer-Delegation stattfinden wird.
Am nächsten Tag ging es dann weiter zum Wasserkraftwerk nach Nangbeto, wo wir während der Jugendbegegnung eine Nacht in der riesigen Hotelanlage bleiben werden, die zusammen mit dem Staudamm in den 80ern gebaut wurde. Finanziert wurde dieses Mamutprojekt, das hauptsächlich von dem deutschen Bauunternehmen Hochtief umgesetzt wurde, durch Kredite aus verschiedenen Entwicklungshilfefonds. Der togoische Staat hat sich dafür also verschuldet. Tausende Menschen mussten ihre Dörfer verlassen. Diese Reise war für mich ein Anstoß, noch genauer über sogenannte "Entwicklungshilfe" (auch:  Entwicklungszusammenarbeit) nachzudenken.
Unsere zweite Reise führte uns von Lomé bis nach Kara, in die zweitgrößte Stadt Togos, die im Norden liegt. Dort wird die Jugendbegegnung beginnen. Nach einer kurzen Besprechung zum Programm, Verpflegung und Aufenthaltsräumen mit dem Inspektor und dem Katechisten der Gemeinde haben wir die von der katholischen Kirche betriebene Herberge besucht, in der wir übernachten werden. Ein wenig ungewohnt war es, nicht mehr den üblichen Mix aus Ewe und Französisch zu sprechen, sondern sich ganz auf Französisch zu verständigen, da in Kara überwiegend Kabiyé gesprochen wird.
Ich freue mich schon sehr auf diese interkulturelle Begegnung, den Austausch zu verschiedensten Themen, neue Denkanstöße und spannende Diskussionen.

Nach meiner Rückkehr aus dem Camp bleibt mir dann noch eine Woche zum Abschiednehmen und Kofferpacken. Realisiert habe ich das noch nicht, auch wenn ich inzwischen fast täglich gefragt werde, wie lange ich noch da bin und ob ich denn nicht länger bleiben kann. Aber ich fühle eine tiefe Dankbarkeit für alles, was ich in den letzten Monaten erleben durfte, für neue Freunde, für Gelegenheiten über mich selbst hinaus zu wachsen, für alles Dazugelernte, für die Menschen, die mich aufgenommen haben, für jede Form der Unterstützung.

 

Alles Liebe und Gottes Segen,

eure Maren